Gauklerspiele
Feuertanz

Bisher hatte man noch keine Falten davon getragen - Wenngleich sie sich oft sorgte. Viel zu selten um sich selbst, denn viel mehr um die Menschen in ihrer Umgebung. Und dies insbesond're, wenn's sich dabei um Wesen handelte, die einen ähnlichen Lebenspfad beschritten. Beim Pfeiffer war dies der Fall, weshalb es komplett außer Frage stand, dass sie ihn nun allein ließ. Nein, man blieb an seiner Seite, solange es notwendig war. Nur um die nötigen Dinge, die seine Gesundheit förderten, zu besorgen, würd' sie das Zimmer verlassen. Für nichts and'res, da konnte er sein schlechtes Gewissen noch so sehr an den Tag legen, wie er wollte. Man war in dieser Hinsicht sehr stur und außerdem mehr als dankbar über diese Aufgabe, die sich ihr bot. Sie lenkte von anderen Dingen ab, die ihr auf unangenehme Weise im Köpfchen herumspukten. Hinzu kam, dass man sich lange nicht mehr mit jemandem vom fahrenden Volk beschäftigt hatte und diese Begegnung deshalb vielleicht als .. Chance ansah? Ein warmes Lächeln wird ihm daher geschenkt, als er sie zurückhält und und sich bedankt. Schweigen ist jedoch ihre Antwort, denn erst musste sich um die Mahlzeit gekümmert werden, die bereits vor einiger Zeit in der Küche bestellt worden war.

Deshalb dauerte es auch nicht lange, bis die Rothaarige zurückkehrte und sich der Duft heißer Kräuter im Raum verbreitete. Natürlich durfte man nun kein Festmahl erwarten - Für eine solche Unterkunft hatte das Gold leider nicht gereicht. Dennoch drehte einem der Geruch nicht gleich den Magen um und deshalb hoffte sie, dass es ihm durchaus munden würd' - Und vor allem half! Kommentarlos stellte sie die Schale auf dem kleinen Nachttischchen ab, bevor sie sich ungefragt erneut auf der Bettkante niederließ. Sollte er ein Problem damit haben, würd' sie sich auch einen Stuhl heranholen .. So aber nutzte man die Möglichkeit, ihm so nah wie möglich eine Stütze zu sein und vielleicht noch mit der eig'nen Körperwärme ein wenig helfen zu können. Zu einem Schmunzeln hoben sich daher die Mundwinkel empor und ein kurzes Nicken brachte die rote Mähne zum Wippen. "Also reicht's Gold auch Dir nicht für eine Taverne? Oder Zelte?" Anfänglich etwas zögernd ist das Nachfragen, bevor auch's Mischblut endgültig aufzutauen scheint. "In solchen haben wir immer gehaust.. Mühsam zusammengespart und geflickt an allen Ecken und Enden. Sie sind die einfachste Lösung, wenn man vom Wind getragen wird!" Ein verträumter Ausdruck trat in die Seelenspiegel, während sie die Stimme senkte und sich sodann einige Momente des Schweigens gönnte. Ruhig ging der Atem, wenngleich das Köpfchen damit drohte, Erinnerungen auszupacken, mit denen man sich keineswegs jetzt herumquälen wollt'. Schon gar nicht, da so langsam aber sicher die Möglichkeit der Bekanntschaft zum Anderen erkannt wird. Daher ist man umso überraschter, als er seine Schuld ihr gegenüber anspricht. Sanft wird daraufhin der Ausdruck auf den Halbelfenzüge und eine Wärme erfasst die Äuglein, die diese gar zum Funkeln bringt. "Indem Du gesund wirst. Mehr will ich gar nicht!" Ehrlichkeit schwingt in den Worten mit, denn die Selbstlosigkeit ist nicht nur geheuchelt. Sie stand wirklich dazu - Und hatte doch noch einen Nachsatz, der mit keckem Glucksen nachgeschoben wird: "Und vielleicht könnten wir beizeiten ein weit'res Mal die Marktbevölkerung erheitern. Ich mag die Gegend.. Fargoth ist -" - Hier gibt's jemanden, der mich bindet.. - "..anders. Ich denke, hier ließe es sich länger aushalten und Du könntest mir dabei helfen, mir einen Namen zu machen. Damit ich meine Brüder und Schwestern fortan gleich in einem Lager begrüßen kann und sie nicht in bitterster Kälte an den Stadtmauern aufsammeln muss." Ein Zwinkern begleitete die Worte, während sie nun erneut nach der Suppenschüssel griff und sie ihm hinhielt.

Alathes am 5.9.10 23:15


Der Freigeist

Das fahrende Volk.. All jene mehr oder weniger seltsamen Gestalten, die sich vereint haben, um ihre Wege und Tage gemeinsam zu erleben. Eine Gemeinschaft, wie man sie wohl selten sonst kennt. Freiheitsliebender als alles andere und trotzdem ist jeder für den anderen da; niemand wird eingesperrt und doch kehren diejenigen, die einmal die Luft jener Gefilde gerochen haben, immer zu ihnen zurück. Was mit dem Spielmann wär’, wenn’s jene Vereinigung nicht gegeben hätte? All jene Musikanten, Gaukler, Quacksalber, Artisten und Schauspieler? Es hätte ihn nie den langen Weg aus seiner Heimat hierher getrieben... Und just in diesem Moment hätte er dem Windhauch, der sich so fürsorglich um ihn kümmert, auch viele Sorgen erspart… - Na, wenn sie davon mal keine Falten bekommt, es schadet dem hübschen Antlitz nur!

Sicherheit.. Wärme.. Sanft dringen diese Worte ans Spielmannsohr. Zuerst weiss er nicht, ob er ihnen wirklich glauben schenken soll, denn wo ist das schon hundertprozentig vorhanden? Aber er friert nicht mehr, was sicherlich ein Vorteil ist, nicht? Er nickt nur, beginnt sie mit verschlafenen und immer noch fiebertrunkenen Blick zu mustern. Aber ja, es geht ihm schon besser, wesentlich sogar. Die spröden Lippen öffnen sich leicht, weil er sich bedanken möchte, doch kommt zuerst nichts über seine Lippen, dann wurde er von seiner Retterin auch schon unterbrochen… Er weiss, was sie sagen will und er kann’s ihr auch nicht vorhalten, aber trotzdem wundert’s ihn leicht, dass sie sich doch Sorgen zu machen scheint. Sie kennen sich doch kaum, haben erst einmal zusammen zum Tanze aufgespielt.. Doch diesen Tag hat er nicht vergessen, denn es war sein erster in diesen Landen, sodass es immer etwas Besonderes bleiben wird. Umso interessanter, dass sich die Wege erneut kreuzen, als wär’s vorherbestimmt, als hätte das Schicksal etwas geplant mit ihnen. – Es ist, als sie sich umdreht, da legt er ihr die Hand auf die Schulter, sodass sie nicht wegrennen kann, er hält sie fest, so sehr das mit der Kraft eines kranken Mannes halt geht. „Warte…“ meint er, dann rappelt er sich leicht auf, er setzt sich hin. Währenddessen rutscht sein Arm von ihrer Schulter, sodass er bald darauf ihre Hand in den seinen hält. „Wer auch immer du bist, Windhauch..“ kommt es nun, nachdem er sich viele Male geräuspert hatte, schon zusammenhängender über die Lippen, doch seine Stimme klingt immer noch sehr kratzig und belegt. „.. Danke, dass du mich hierhergebracht hast.“ – Kleine Pausen zwischen den Wörtern, sodass er sich sammeln kann, bleiben trotzdem nicht aus… Doch dann lässt er sie erstmal ziehen, die Suppe holen, doch die nächsten Worte liegen schon auf seiner Zunge. Er würde ihr antworten auf diese Fragen, wenn sie wieder da wär’, doch wirkte sie –soweit ein fiebertrunkener aus ausmachen konnte- etwas verwirrt, aber eher über sich selbst.

So wartet er, sortiert die Wörter in seinem wirren Kopf, bis er denkt, dass er die richtigen für sie finden wird. Ja, sie hat’s verdient zu erfahren, was er da gemacht hat.. Schließlich hatte sie alle Müh’, ihn hierherzubringen. Er wartet.. Und als die Tür aufgeht, schaut er sie aufmerksam an… „Ich habe hier niemanden… Deshalb war ich allein.“ – Ja, das stimmt.. Er ist ein Einzelgänger, der keine Gauklertruppe noch Freunde in der Stadt hat… „Es gibt.. außerhalb der Stadt im Wald eine zerfall’ne Hütte… Sie diente als meine Unterkunft.“ – Doch ewig hält man’s auch nicht in einer zugigen Holzhütte im Winter aus… „Ich weiss.. Ich hätte..“ flüstert er leis’. „Aber du warst da… Dafür steh ich für immer in deiner Schuld.“ .. Er räuspert sich, dann hustet er, sodass es seinen gesamten Körper durchschüttelt und ein schmerzverzerrter Ausdruck auf dem Gesicht liegt. „Sag mir, wie ich mich bedanken kann.“

Sk Yron am 7.8.10 22:22


Feuertanz

Eine seltsame Ruhe erfasst die junge Frau, während sie stillschweigend da saß und den Blick mal mehr, mal weniger hin zum Gauklerbruder wandte. Merkwürdig war die Situation allemal, doch das einzige, was nun zählte, war seine Gesundheit. Und deshalb hoffte und betete man insgeheim, dass die Erholung ihm gut tat, welche er sich nun mehr als verdient hatte. Der Winter konnte einen schlauchen .. Und Ský war ein Beispiel dafür, wie schwer einem das Schicksal manchmal mitspielte. Umso wichtiger war es nun, dass sie sich aufgrund seines Zustands nicht in Hysterie flüchtete. Sie musste diese Wärme und Ausgeglichenheit ausstrahlen, die ihm fehlte. Eine Tatsache, die schwer war für's Gauklermädchen, da man noch immer an der Begegnung mit dem Rotschopf zu knabbern hatte. Und doch .. Ihr wurd' einmal mehr offenbart, dass es wichtigeres gab. Dinge, für die es zu leben lohnte .. Das fahrende Volk war ein fester Bestandteil davon.

Ein Lächeln zuckte ob dieses Gedankens über ihre Züge und schließlich gab sie dem Drang nach und ergriff eine Hand des anderen. Man kannte sich kaum - Und doch wahrscheinlich schon gut genug. Eine magische Verbindung, die bestand, aufgrund .. Ähnlicher Schicksale? Konnte man es vergleichen? Ohne Zweifel muss es grausam gewesen sein, was der Gepeinigte erlebt hatte .. Und man selbst? Ein leises Schnaufen entwandt sich den Atemwegen des Mischbluts, ehe sie den Kopf neigte und mit sich rang .. Es wurde immer schlimmer, wie er sich von einer Seite auf die andere warf und .. Man wusste sehr wohl, wie furchtbar quälend die Geister im Schlafe werden konnten. Albträume. Keine bloßen Fantasien, sondern Blicke in die Vergangenheit, die so schmerzlich waren, dass man es kaum aushielt. So strich der Daumen zart über seine Hand .. Auch diese Barriere überwandt sie, bis sie sich nach weiteren Herzschlägen des Nachsinnens erhob und direkt ans Bett stellte, um ihm die Hand auf die Stirn zu legen. Einige Strähnen wurden beiseite geschoben, dann ein leises "Shhhh.." geraunt. Auch den Lappen nimmt man wieder an sich, taucht ihn in das Wasser und in dem Moment, als der Schrei ertönt, rutschen die eigenen Finger aus den seinen. Verdutzt blinzelte sie ihm entgegen .. Sprachlos im ersten, hilflos im zweiten Moment. Doch schnell findet man auf den angestrebten Weg zurück, wechselt das Wasser des Lappens und widmet sich seinen Wangen .. Fürsorglich streicht der weiche Stoff über sein Gesicht und entfernt Schweiß und Tränen von den Zügen, welche doch dafür geschaffen wurden Freude zu tragen. Ein aufmunterndes Lächeln ist es auch, welches sodann auf den eig'nen Lippen prangt, kaum dass sein Blick klarer wird.

Man lässt ihm die Sekunden, die er benötigt, um sich zu orientieren - Etwas, das scheinbar nicht so klappt, wie erhofft. Ein Grund nun für das Weiblein, die Stimme zu erheben. "Bleib ruhig, Ský.. Du bist hier in Sicherheit, im Warmen .. Kein Schnee, kein Wind. Ich hab' das Zimmer für einige Tage gemietet, damit Du gesund werden kannst. Ich .. Ich hoffe, Dir geht es schon besser?" Leis' ertönt das glockenklare Stimmchen, während sie immer noch da steht .. Sich seinem Zustand prüfend zuwendet. Unruhig zucken die Seelensmaragde daher über das blasse Antlitz des Spielmanns. "Du warst allein .. Warum?" - Ein Biss auf die Lippe offenbart, wie wenig nun nachgedacht wurd' .. Dass man selbst doch nicht anders lebte.. "Ich meine .. Entschuldige. Nur außerhalb der Stadtmauern .. Es war gefährlich! Du hättest -" Erneut erstirbt die Stimme ob der Vorstellung und der lahme Versuch, die Situation zu retten, wird gestartet, indem sie sich bereits halb abwendet. "Warte kurz .. Ich hol' die Suppe für Dich.. Du musst Dich stärken!"

Alathes am 7.8.10 20:40


Der Freigeist

Es war wohl der Schlaf der Gerechten, der ihn nun übermannt… Oder eher der gerecht verdiente Schlaf, der den Spielmann nun einholt? – Er braucht den Schlaf, dringend sogar, wenn er wieder gesund werden will und nicht noch kränker, wenn er nicht gar bei diesem Wetter da draußen umkommen mag. Doch er hat das nicht vor, er ist stark und genau diese Stärke wird er nun zeigen müssen, wenn es darum geht, das Fieber zu besiegen, die Krankheit zu überwinden.

Fiebernass ist sein gesamter Körper, verschwitzt und trotzdem zittert er wie Espenlaub, da hilft auch die wärmende Decke, die Alathes ihm übergelegt hat, nicht mehr. Dazu durchgefroren sind die Glieder, bis ins Herzen ist die Kälte vorgedrungen… - Die Atmung ist flach und schnell, die Augenlider zucken leicht, der Spielmannskörper wirft sich im Bette herum, zu erschöpft und kann trotzdem keine Ruhe geben, denn üble Träume quälen ihn nun, da er gezwungen wurd’, Ruhe zu finden. – Doch sind es keine Alpträume, so sind es all’ jene, schicksalhaften Momente, die sich im inn’ren Auge immer wieder spiegeln, all jene Momente, die er seit Jahr und Tag versucht hat zu verdrängen. So ist’s die schandhafte Vertreibung aus der Domschule, die Heimkehr, um festzustellen, dass sie Mutter sich ganz dem bösen Geist des Alkohols hingegeben hat, die kleinen Geschwister verwahrlost in den betten lagen und der Vater auf und davon war; Im Kerker, wie er aber erst später feststellen sollte, denn jener war es, der die Familie ins Unglück zog. – Wie lang’ er schläft, dass kann er selber nicht sagen, doch es wird lang’ sein, denn selten findet er eine solchen ruhigen und warmen Platz zum Übernachten.

Ein dunkler Schatten liegt über den Augen, die Sky fest zusammenpresst, die Lippen leicht öffnet, ein leises Stöhnen entweicht ihnen. Fast als sei er nicht mehr ganz bei Sinnen wirft er für einige Sekunden seinen Kopf umher, sein Kopf wirkt dabei leicht gerötet, das Tuch, dass Alathes ihm zuvor so sanft auf dem Kopf drapiert hatte, fällt dabei zur Seite weg, bleibt einfach neben ihm liegen. – In seinem Kopf blitzt der silberne Dolch wieder auf, der im Herzen eines leblosen Körpers steckt, rings herum eine Blutlache, schon halb eingetrocknet. Zu oft hat er das schon geträumt, zu oft ist er danach verschwitzt und tränenüberströmt erwacht, so beginnen auch diesmal unter den geschloss’nen Augenlidern die Tränen hervorzuquellen. Der Körper Skýs rollt sich enger zusammen, fast wie ein Embryo, schutzsuchend, den er damals nicht gefunden hat. Doch er merkt von all dem nichts, denn er sieht sich selber, wie er zusammensinkt in dem Elixier des Lebens… neben der Leiche seiner Schwester, seiner Seelenverwandten.

Ein erschrockener Schrei dringt über die Lippen, der Körper richtet sich ruckartig auf, die Augen werden geöffnet, dann schaut er sich panisch um, die Tränen rinnen über’s Gesicht, er schluchzt leis’, doch ihm überkommt ein Schwindel und Übelkeitsgefühl, weshalb er schnell wieder auf dem Bett nach hinten sinkt, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und die Augen wieder schließt. „Sie ist weg…“ murmelt er dabei leicht schluchzend, doch bemüht er sich um Beherrschung. – Erst wenige Minuten später öffnet er sie wieder, er scheint sich etwas gefangen zu haben, doch überkommt ihn die Panik, denn er kann sich nicht erinnern, was geschehen ist und wie er hierher gekommen ist. Die Stirn hat er in Falten gelegt, erst dann bemerkt er Alathes und schaut sie, leicht verwirrt, aber irgendwie auch etwas erleichtert an. – Er kann sich an sie erinnern, zumindest an den gemeinsamen Auftritt mit der Luchsdame auf dem alten Marktplatz und doch… Hat sie ihn etwa hierher gebracht..? Er beeilt sich, die letzten Tränen wegzuwischen, dann schaut er sie an… „Guten…“ Tag, wollte er eigentlich sagen, doch versagt seine Stimme, dazu… Ist überhaupt Tag? Oder Nacht? Welche Tageszeit ist eigentlich? Völlig orientierungslos schaut er sich im Raum um… „Was..“ beginnt er erneut, doch wieder versagt die Stimme, dann wird er von einem Hustenanfall erschüttert. Schmerzverzerrt wirkt das Gesicht, aber wenigstens die kalten Lappen scheinen geholfen zu haben. Er wirkt wesentlich klarer im Kopf… Ein kurzer Blick zu Alathes hinüber, sie entschuldigend anschauend.

Sk Yron am 28.6.10 00:28


Feuertanz

Auch 's Mischblut hatte eine Familie verloren. Nachdem man jahrelang keine gehabt hatte - von der Mutter einmal abgesehen - war man in den Schoß des fahrenden Volkes gelangt und dort aufgenommen worden. Die damalige Gruppe war nicht groß gewesen, dauerhaft waren es vielleicht ein Dutzend Spielleut'.. Doch eben diese Wesen haben die Familie dargestellt, die man immer gesucht und vermisst hatte .. Natürlich liebte man die Mutter und schätzte sie für all das, was sie für sie eingebüßt hatte .. Doch konnt' man eine Person schon als Familie bezeichnen? Was war mit Geschwistern, Onkeln, Tanten und all den and'ren, die diesen Begriff doch erst richtig definierten .. Sie waren dann selbst auserwählt worden - Nachdem man sie mit offenen Armen empfangen hatte. Ein halbes Dutzend Sommer ist dies schon her - Und mittlerweile war man wieder allein. Tod pflasterte den vergang'nen Weg und das eig'ne Zutun daran war so grausam, dass man sich einzig in Verdrängung üben konnt'. Man wollte nicht darüber nachdenken, sich mit der Schuld beschäftigen, denn all dies hätte die Macht, 's Lichtlein zu zerstören. Und diesen Funken Egoismus besaß man dann - Dies würd' man nicht zulassen. Kein Gedanke verschwendete man also mehr an die Geschehnisse in jener Nacht, die verbunden sind mit Tränen und Asche .. Seit dem hatte man sich in Zurückhaltung geübt, was die Gesellschaft der Spielleut' anbelangte, doch langsam und unbewusst kehrte man auf diesen Weg zurück .. Man war ein Gemeinschaftstier, konnt' ohne and're Leute nicht - So sehr man sich auch manchmal in die Einsamkeit flüchtete. Letztlich machte sie das nur unglücklich, was man auch hier in den Fargoth'schen Gefilden schon bemerkt hatte .. Und nun hatte man dort diesen Spielmann ins Bett verfrachtet, krank und hilflos - Und auf sie angewiesen. Suspekt erschien ihr die Situation, fremdartig und doch erfasste sie soetwas wie Zuversicht .. Ja, das war ein Schritt in die richtige Richtung!

's Gauklermädchen gab nichts darauf, dass er sich vielleicht später nicht mehr erinnerte - Was sicher das Beste für's männliche Ego war, interessierte sie nicht. Solange man selbst diese Erinnerung wach halten würd' und sich ja auf diese gewisse Weise zum and'ren hingezogen fühlte - Das konnt' ihr keiner mehr nehmen. Ein Schmunzeln zuckte deshalb um die Mundwinkel.. Hatte er echt die irrsinnige Ansicht, sie ließe ihn nun allein? Niemals .. Kurz zuvor doch hatte man noch geschworen, das Licht für ihn zu finden, den Frühling zu ihm zu bringen und daran hielt man sich auch. Nie mehr würden Versprechen gebrochen werden! Ein leises Schnaufen entfuhr ihr, dann huschten die Äuglein musternd über den Pfeifer - Bevor ein erleichtertes Seufzen ihr Lippenpaar verließ. Das Danke wurd' realisiert und angenommen - Selbst wenn's aus ihrer Sicht doch eine Selbstverständlichkeit war. Schließlich wendet man sich gen Kamin - Selbst erleichtert über die Wärme, die doch bei diesem Mistwetter mehr als willkommen ist. Schnell hat man sich auch des Mantels entledigt, der schlicht nicht mehr nötig ist und so auch etwas trocknen kann .. Man würd' sich früh genug im Freien wiederfinden. Verträumt verschwimmt der Blick, bleibt jedoch noch an den Flammen hängen - Bevor man sich abwendet und gerad' noch die letzten Worte vernimmt. "Ich versprech's Dir..", wispert man leis' hinüber zum Bett - Und das Lächeln mag nicht weichen.

Es ist kein erbärmlicher Eindruck, den er hinterlässt - Sondern schlichtweg der eines Kranken, der sich endlich seinem Schicksal fügt. Das war nur vernünftig und nötig, denn nun würd' man sich um ihn kümmern. Ohne zu zögern bewegt man sich alos leis' zum Bett und richtet die Decke - Nicht aber, ohne ihn vorher kurzerhand vom nassen Umhang befreit zu haben. Mehr Blöße konnt' und wollt' ma ihm - und sich - nicht geben, doch mit der trock'nen Decke und dem Kaminfeuer wird's schon gehen. Mit aller Fürsorge deckt man ihn sodann also zu, bevor sie die Schritte hinaus aus dem Zimmer tragen - So lautlos wie nur möglich, immer darauf bedacht, ihn nicht zu wecken. Zurückgekehrt wird mit einem Krug Wasser und einem Lappen - die georderte Suppe bräuchte er erst, wenn er wieder wach wär'. Ein prüfender Blick zum Feuer, dann tragen die Füße 's Mischblut auf's Neue zum Bett, damit man sich auf der Kante niederlassen konnt'. Immer noch ist sie darauf bedacht, ihn nicht zu wecken, und doch wird nun der Lappen in das Nass getaucht und schließlich sein Gesicht vorsichtig gesäubert. Die Prozedur zwei, drei Mal wiederholend, landet der Stoff schließlich auf seiner fieberheißen Stirn und mit einem zufried'nen Nicken beruhigt man sich - Mehr konnt' nicht getan werden. Nun musst' sie warten, dass er aufwachte .. Und bis dahin schenkte man seiner Aufmerksamkeit dem Beutel mit den Instrumente - Jedoch nur aus der Ferne, denn sein Eigentum würd' sie nicht anfassen. Zumal sie versprochen hatte, nicht von seiner Seite zu weichen - Und eben dort blieb sie.

Alathes am 13.5.10 16:45


Der Freigeist

Es war nicht der Wahnsinn, der den Spielmann einholt, eher waren es die Relikte seiner Kindheit, die er schon so lang versucht hat zu verdrängen, die nun Stück für Stück wieder ans Tageslicht kommen, doch ob er sich nach dem Fieber daran überhaupt noch erinnern kann? – All das ist doch schon so lang’ her und bringt doch jedes Mal wieder die Trauer mit, über den Verlust der eig’nen Familie, auch wenn er wohl weiss, dass er eine neue gefunden hat, eine Familie, die immer für ihn da sein wird und ihn auch immer wieder auffangen wird… - So wie jetzt! Es gibt einfach Momente, wo Altes dem Neuen weichen muss, der Zukunft, nur um dann auf dem richtigen Weg zu gelangen, der das Richtige sein wird… Meist ist es nur ein kurzer Augenblick, eine einzige Tat, doch all das kann schicksalsweisend sein, so wie’s einst beim Herrn Gaukler war, doch damals hatte noch niemand einen Gedanken daran verschwendet, niemand hat je daran gedacht, dass der wissbegierige, schlaue Schüler der Domschule nie ein Gelehrter oder Ritter wird, sondern weit… weit unter dem Stand, zu dem ihn seine Geburt verpflichtet hatte, absteigen würde… Er ist all dem nie gerecht geworden, ein Verlierer in den Augen anderer, doch in seinen Augen ist er der größte Sieger überhaupt… - Er hat sie intrigen-beschmutzte Welt des Adels hinter sich gelassen und ist in die Welt des richtigen Schmutz eingekehrt, dort wo aber wenigstens die Wesen zueinander noch ehrlich sind, sich versuchen zu helfen…

Auch wenn er wahrscheinlich kaum mehr wissen wird, was gescheh’n ist, wird er Alathes doch trotzdem Dankbar bleiben, in Gedanken daran, dass er durch sie seine Schwester erneut sehen dürft’. – Den Weg durch die Stadt bekommt Ský nicht wirklich mit… Nur die Melodie, die Alathes vor sich hinsummt… Würden’s seine Sinne mitmachen, wär’ er dazu imstande, hätte er sie mit ihrem Instrument begleitet, hätte sogar mit ihr gesungen! Und in den wenigen wachen Momenten, kommt’s ihn wie eine Ewigkeit vor, doch alles in allem… Sein Zeitgefühl ist verloren gegangen… Vielleicht liegt’s noch im Wald oder auch an der Stadtmauer, aber was soll es ihn interessieren, wenn er nicht einmal weiss, wo Links und Rechts ist, wenn er nicht einmal die Kraft aufbringen kann, ohne die Hilfe der Gauklerschwester zu seine Beine zu bewegen… - Erst in dem Zimmer angekommen scheint sich die Wirkung der Bewegung zu zeigen, dann er wirkt für eine kurze Zeit etwas klarer im Kopf, sein Blick wirkt etwas wacher, als er mit Alathes Hilfe auf das Bett gesetzt wird.. Wie er das wohl wieder gut machen kann, dass sie ihr Geld dafür nutzt, ihn eine kurzweilige Unterkunft zu gewähren, nur damit er wieder gesund wird..? Schließlich hätte sie ihn auch sitzen lassen können, hätte ihn sterben lassen können, doch als ob er es spüren würde, merkt er, dass sie ihre ganz eigenen gründe hat, warum sie ihn hilft… Und er hat jetzt auch ebenfalls seine Gründe, ihr auf Ewig dankbar zu sein… Er schaut sie dann, mit schon fast geschlossenen Augen… „Dankeschön…“ wird dann noch gehaucht, dann wirkt es so, als würd’ er einfach umkippen, doch liegt er ja von weichen Federn behütet in dem Bett, sodass er auch weich fällt… - Die Decke liegt lässig am Fußende, verknäult, während er sich einfach zusammenrollt, wie ein Embryo im Mutterleib, so als würde er beschützt werden wollen… Und er merkt es auch nicht, dass er keine Decke hat, schließlich ist’s warm genug in dem Raum, denn -abgesehen von den nassen, eisigen Kleidern – brennt ein Feuerchen im Kamin. – Die Arme schlingt er eng um den ausgemergelten Spielmannsleib, dann schließt er die Augen, ob Alathes überhaupt noch da ist, kann er selber nicht sagen, tatsächlich hatt’ er vergessen, danach zu schauen, weshalb er erschrocken die Äuglein wieder aufreißt, die milchig wirkenden Smaragde schauen sich in dem Raum um, dann entdeckt er die vermeintliche ‚Schwester’..

Seinen Arm und die Hand streckt er aus, wie schon an der Stadtmauer, die Augen schließen sich wieder wie automatisch, fühlt er sich allein durch die Anwesenheit doch sicherer… „Bitte… Bleib’.. bei mir.. Verlass mich nicht wieder…“ – Ob man’s glauben mag oder nicht, beginnt der große, sonst so starke Kerl an zu schluchzen, den Gedanken im Hinterkopf, wie Rhianna ihn schon einmal verließ, dann schläft er jedoch über dem Gedanke ein… - So mag man ihm doch wünschen, wohl zu ruhen, damit er schnell wieder stark und gesund wird und die Wesen dieser Welt mit den sonst so fröhlichen Spielmannsmelodien beglücken kann.

Sk Yron am 13.5.10 15:59


Feuertanz

Wieder diese Sprache .. Wieder ein Indiz mehr dafür, dass ihn in diesen Momenten nichts anderes befallen hat als der Wahnsinn .. Es zerreißt dem Rotschopf fast das Herz, einen Gauklerbruder in diesem Zustand zu sehen - Und sei man sich noch so fremd. Letztlich teilte man ein Schicksal - Der ausschlaggebende Punkt mochte zwar überall anders sein, sich gar deutlich voneinander unterscheiden, aber meistens war's doch ein einschneidendes Schicksalserlebnis, das die Wesen auf die Spuren des fahrenden Volks schickte .. Und man diesem Weg folgte, bis zum bitt'ren Ende. Jenes sollte hier nicht sein - Darauf würd' man Brief und Siegel geben. Man hatte dem and'ren etwas zu verdanken, wenngleich dieser davon sicher nichts wusste .. Aber mit ihm hatte man seit jenem Erlebnis zum ersten Mal wieder zusammen Musik gemacht - Und damit hatte er von Vornherein einen Stellenwert beim Mischblut, der ihr erst in diesen Momenten selbst richtig klar wurd'. Besorgnis ist's deshalb einzig und allein, die ihre Züge gefangen hält und sich auch nicht von Erschöpfung verscheuchen lässt, als man da schließlich das Gewicht des Spielmanns so deutlich spürt. Nein, man würd' sich von der Vorstellung beflügeln lassen - Man hatte ihn doch nicht umsonst gefunden! Um ihn jetzt hier dahinvegetieren zu lassen? Zuzusehen, wie die Kälte und das Wetter ihm den Rest gaben? Niemals .. Dafür war man zu hartnäckig und zu sehr verwoben mit seinem schlechten Gewissen, das Flucht und Verdrängung ja nicht einmal im Ansatz zugelassen hätte. Man wollte helfen und das tat man nun auch - Hoffentlich erfolgreicher, als es sich momentan in des Gauklermädchens Köpfchen abspielte.

Ein leises Ächzen verließ das Lippenpaar, doch um derlei Empfindungen nicht noch mehr Nährboden zu geben, war's alsbald etwas and'res, was vom Stimmchen geformt wurd': Leis erklang eine Melodie, in summender Manier - Deshalb nicht allzu laut und vielleicht auch nicht zuordbar, aber es waren melancholisch-fröhliche Klänge, die sicher auch den vernebelten Geist erreichten. So huschte der Blick immer wieder zurück zum Antlitz des Pfeifers - Auf seine Worte hin erwiderte man vorerst nichts mehr. Er würd's eh vergessen - Ihr nicht krumm nehmen, wenn man nun schwieg .. Wusst' er ja nicht einmal, wer sie eigentlich war! Für's Schwesterchen wurd' man gehalten, das hatte man ja mittlerweile erkannt .. Und so war ja beschlossen worden, diese Rolle anzunehmen, um ihm zu helfen .. Denn der Himmel würd' weinen, sollte hier und heut' ein Spielmann zugrunde gehen - Dutzende Menschen würden ihr Lachen verlieren, denn diesen Freudenboten durft' doch eigentlich nichts passieren. Skeptisch sind dennoch die Blicke der Stadtwachen, als man langsam aber sicher durch's Tor schreitet - Jedoch sparen sie sich Worte auf und lassen beide Gaukler passieren. Argwohn mag da im Antlitz des Mischbluts tanzen, doch man hatte keine Zeit sich damit zu beschäftigen .. Im Köpfchen rotierten die Gedanken - Es rauchte hinter der Stirn, denn: Wohin mit ihm? ..  Man besaß noch ein paar Goldstücke .. Geschenke vom Rotschopf .. Und - Ja, wie ließen sie sich besser anlegen als zum Schutz eines Seelenverwandten? Schnell ist also der Entschluss gefasst und aller Blicke zum Trotz wird mit dem and'ren die Tavernengasse angesteuert. Ein Bett musste her, denn für einen Heiler würd's wohl kaum reichen .. "Gleich haben wir's geschafft, Ský. Du wirst sehen - Ein Feuerchen, eine heiße Suppe und ein wenig Schlaf, dann bist Du ganz schnell wieder auf den Beinen!" Hoffnung muss da ausgesprochen werden - Für ihn, doch auch für sich .. Glaubte man selbst denn daran? Ja! .. Immerhin - Was wär' er für ein Wandersmann, ließe er sich von einer einfachen Erkältung von den Füßen holen? Er schaffte das .. Dessen war man sich sicher..

Seiner Hilfe sei Dank erreicht man dann auch tatsächlich bald die Schenke - Keine bestimmte, man kannte sich dahingehend in Fargoth noch nicht allzu gut aus.. Aber eine Liegestatt würden sie schon übrig haben, sodass der Spielmann alsbald in eine solche verfrachtet wurd' - Und's Mischblut mit einer Mischung aus Erleichterung und Hilflosigkeit verharrt .. Nicht wissend, wie man nun am besten vorgehen sollt', da man ihm das Stückchen Privatsphäre nicht nehmen wollt' - Ihn aber auch nicht allein lassen konnt'!

Alathes am 13.5.10 14:46


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