Gauklerspiele
Der Freigeist

Die Wand ist die einz’ge Stütze, die er gerade noch hat… Weder seine Willenskraft noch seine Körperstärke ist noch wirklich anwesend… Doch er weiss, er darf die Augen nicht schließen, nicht bei dieser Kälte, nicht hier~ an der Stadtmauer Fargoth. Was man wohl denken wird, wenn hier eine Leiche gefunden wird? Ein obdachloser Spielmann…? Sicherlich würde man auch die anderen Gaukler und heimatlosen aus der Stadt verseuchen. Kein Herrscher sieht gern tote Menschen in seiner Stadt… Doch die Augen werden immer schwerer, es scheint ihm, als würden kleine Steine an den Wimpern hängen, die die Lider immer tiefer ziehen wollen, bis sie ganz geschlossen sind. – Wie von Sinnen öffnet er leicht die spröden, bläulich angelauf’nen Lippen um etwas zu Summen, doch verlässt kaum mehr als ein Röcheln, ein leises Husten, des Spielmanns Mundwerk. Hart schluckt er, als ihm bewusst wird, dass er nicht einmal mehr dazu imstande zu sein scheint. Panik breitet sich überall in seinem Körper aus… Er will nicht sterben… Noch nicht. Ist er doch noch in seinen besten Jahren, er hat noch etwas zu erledigen in dieser Welt, auch wenn er nur noch von der Rache, dem Abscheu gegenüber gewisser Menschen getrieben wird.

- Er stößt sich ab von der eisigen Steinwand, tappst ein paar Schritte nach vorne, doch kippt er sehr schnell wieder nach hinten um… Doch lässt er sich an der Wand nach unten rutschen, als auch schon die Stimme an sein Ohr dringt… Doch wirkt es eher wie ein ferner Windhauch, der ihm etwas zuflüstern will… Es klingt, als würd’ Rhianna, seine vor 3 Jahren verstorb’ne Schwester wieder zu ihm sprechen, als würd’ sie ihn holen wollen zu sich und den anderen Geschwistern. – Doch das Alathes, die Bekannte von seinem ersten Tage in der Stadt, nun vor ihm steht, dass bemerkt er nicht mehr… Die trüben Augen schauen zwar auf, mustern die Umgebung, doch er nimmt nichts mehr wirklich wahr. – Aber möchte er wirklich noch wach bleiben? Wäre es nicht viel besser, wenn er einfach einschlafen würde? – Der Sack mit den Instrumenten wird ihm aus den Händen genommen, dann sackt er endgültig in sich zusammen, er schaut leicht nach oben, dort wo die liebliche Stimme her kommt, doch statt den Windhauch zu sehen, sieht er jemand’ anderen… Die so lang vermisste Schwester.

Ein seliges Lächeln liegt auf seinen Zügen, dann beginnt er leis’ zu Schluchzen, die tränen rinnen über seine Wange… „Rhianna!“ haucht er leis’ und streckt eine Hand nach oben zu ihr aus um sie zu berühren, sie noch einmal zu fühlen… - Dann wendet er den Blick ab, starrt auf den Boden, den Schnee, der nun überall um ihn herum zu schmelzen beginnt. „Ja… Ich.. Ich höre dich… - Warum… Warum bist du hier, Rhianna? Du bist doch… tot… Oder bin ich selber gestorben… tot? Bist du hier, um.. um mich zu holen?“ fragt er leis’. „Zu holen in… deine Welt? … Ramius Welt?“  - Immer schwächer wird die Stimme zum Ende zu, die sonst so glänzenden Augen wirken stumpf, ermattet, als wär’ jegliches Feuer erlicht, dass jemals darin gebrannt hat? Nun, wer weiss…

Die Züge im Gesicht wirken geglättet, ruhig und friedlich, als der Windhauch seine Hand nimmt, doch die Worte dringen nicht mehr wirklich an sein Ohr… Es gibt so viele Worte, die versuchen sich über die Lippen des Freigeists zu drängen, doch keins davon schafft dies… Er möchte erzählen, über seine letzten Jahre, möchte ihr sagen, was er erlebt hat, was er so getan hat, doch nebst einem Husten, drängt sich dann doch eine Frage über die Lippen… „Oder… Du bist gar nicht bei... bei Ramius… oder? – Du bist... ein Engel… Du warst schon immer einer. Mein… Mein Engel.“ Seine Schwester war sein ein und alles, er hätte sein Leben für sie gegeben, war es doch so unrecht, dass sie vor ihm gehen musste… Er ist allein, er hat keine Familie mehr… Weder seine Schwester, noch die and’ren Geschwister… Weder Mutter noch Vater, die jemals auf ihn aufgepasst haben. Die große weite Welt ist sein zu Hause geworden, weil niemand and’res ihn so geliebt hat, wie der Wind, der ihn weitergetrieben hat und die Musik, die ihm all’ seine Sorgen und Nöte genommen hat. – Er selbst merkt die Kälte gar nicht mehr, versteht die Worte des Windhauchs auch nicht wirklich… - Fast scheint’s ihm so, als würde die Sonne scheinen, als würde er endlich in der Geborgenheit sein, wo er immer hinwollt’.

22.3.10 20:34
 
Letzte Einträge: Feuertanz, Feuertanz, Feuertanz, Feuertanz, Der Freigeist, Feuertanz
Gratis bloggen bei
myblog.de

Zum Rollenspiel

Startseite
Der Handlungsort
Archiv

Die Charaktere

Der Feuertanz..
Der Spielmann..

Sonst'ges

Über...
Copyright
Impressum