Gauklerspiele
Der Freigeist

„Alea iacta est… Die Würfel sind in meinem Leben längst gefallen.“ Murmelt er leis’, dann schaut er auf zu ihr, schaut in ihre Augen und kann plötzlich so viel von seinem Leben in ihnen sehen. Es mag also wohl stimmen, dass die Augen die Spiegel der eig’nen Seele sind, in denen er nun fast versinken könnte, er starrt einfach starr auf sie, und sieht er doch noch immer seine Schwester in ihr, deren Geist er besser kannte als seinen eig’nen, deren Tragödie, mit den höchsten Göttern in der Hauptrolle, nur er kannte. Und doch fragt er sich eben in jenem Moment, wie er es geschafft hatt’, so lang’ ohne sie zu Leben, ohne ihre nähe, ohne ihre Wärme, doch auch die Wärme, die Alathes ihm nun gibt… Sie mag zwar reichen ihm etwas Sonne auf den Augenblick zu spenden, doch brauch’ er doch so viel mehr Zuneigung, so viel mehr Liebe und nicht immer dieser Hass mit dem man ihm begegnet. Wahrscheinlich braucht er viel mehr, als wahrscheinlich alle Menschen zusammen ihm jemals geben können. Seine Familie wurde ihm entrissen, alles was für ihn die Werte seiner Kindheit waren, und doch… ein kleiner Rest seiner Bildung sind trotz der vielen harten Jahre auf der Straße übrig geblieben, so auch seine Lateinkenntnisse, eine Sprache, die ihm schon immer sehr zugesagt hat. – Doch der Götterglaube, den man ihn versucht hat in der Domschule beizubringen, die Religion, die sein Vater angehört hat, war nie die seine gewesen. Er glaubte an die Natur, an die Menschen und das das Göttliche in allem steckt, in jedem Käfer, jedem Wurm… Und Wurm, ja, plötzlich wünscht er sich, dass der kleine regennasse Siegfried hier wär’, das kleine Würmchen, dass er einst beim Zirkusbesuch gerettet hatte, der Moment, als er Aeryn kennen lernen durfte.

Langsam… Nur sehr langsam löst er sich wieder von Alathes, starrt in die dunklen tiefen Wälder, dort wo noch die wildesten Tiere hausen, doch sind das nicht eigentlich zu Menschen, schließlich haben sie das Recht des Stärkeren aufgehoben, sie sind doch diejenigen, die nur noch Geld haben wollen, Reichtum, dafür ist ihnen der Preis doch auch zumeist egal, oder nicht? Sind die wildesten Bestien nicht Wesen wie Ský und Alathes, den Menschen -und denen, die es mal waren- ach! so ähnlich?! Doch dort im Wald gelten noch die Regeln der Natur, nicht die der Menschen und ihrer Herrscher… Dort fühlt er sich teils sicherer als in dieser Einöde von Stadt, doch er weiss, er kann momentan nicht dahin zurück, es wär’ sein Tod. – Ein schweres Schlucken. Auch wenn er’s sich manchmal doch so sehr wünscht, so ist ihm doch bewusst, dass er nicht gehen kann, das ihm trotz all Qualen etwas hier hält und doch… Er weiss nicht, was es ist. – Vielleicht die Tatsache, dass er ein Kind der Straße, ein Kind des Windes ist, der ihn seine unendliche Freiheit leben lässt, der ihn immer weiter treibt, für jenen es einfach nur feig’ wär’, das Leben einfach so zu beenden ohne es vollends ausgekostet zu haben. Und doch ist er allein, einsam und verlassen. Er hat niemanden mehr… Einst verließen alle Wesen in seiner Umgebung ihn, danach begann er, sie zu verlassen, ihnen jenen Schmerz zuzufügen, der er selber oft genug spüren musste, wenn wieder jemand aus seinem Leben gegangen war… Und doch, ihm machte das erschreckend wenig aus, war er doch sonst ein sehr einfühlsamer Typ, dachte er in den meisten jener Momente nur an sich selbst und sein Wohl, einen großen Egoismus legte er damals an den Tag… Doch wo all das geendet hat, sehen wir ja hier, nich’? Er sitzt am Boden, im Schnee, halluzinierend vor Fieber… „Ich glaube nicht, jemanden ..verloren.. zu haben… Ich habe.. sie verloren. Alle…“ leis’ murmelt er, während er noch immer in den Wald starrt. Heißt nicht ein altes Sprich, dass nach Stieren der Wahnsinn kommen würde? Gut, davon ist der Gute wirklich nicht mehr weit entfernt, doch wen kümmert das schon? „Denn dazu müsste ich sterben.“, haucht er noch ergänzend hinzu. Und war’s nicht seine eig’ne Schwester momentan, die ihn im Leben halten wollte, die ihm den Tod gar verbot? Der Kopf wird leicht schief gelegt, ein ebenso schräges Grinsen auf den Lippen.

Ob… Ob er aufstehen konnte? Beeinflusst von den Kräutern, die er noch immer einatmet, würd’ er sich wohl alles zutrauen, sogar den Zweikampf mit einem Titanen… Und die Chance eines Gewinns ist schon im wachen Zustand sehr gering, wenn nicht gar gleich Null, denn so stark wie er manchmal wirken mag, ist der Spielmann nicht. Er hat sich nie mit dem Kampf befasst, nun gut, früher in der Domschule wurde er im klassischen Schwertkampf unterrichtet, aber ob er heut’ noch solche Techniken und Methoden anwenden könnte, weiss er selber nicht… Doch er will’s lieber nicht versuchen, sonst würd’ er sich noch zum Affen machen… Oh, Pardon, der Mann, der sich nun versucht aufzurappeln weiss ja nicht einmal, was ein Affe ist, so will er nicht wie eine schmächtige Maus dastehen, ein Möchtegern, denn dann würd’ er zu jenen Leuten gehören, die er selber verachtet. Und Selbsthass ist wahrlich das letzte, was er nun noch gebrauchen kann. – Als das Gauklerweib ihn hochdrückt, beginnt er sich selber mit hochzustemmen und tatsächlich kann er genügend Kraft aufbringen, damit er kurz darauf auf den eig’nen Füßen steht, doch muss er wahrlich aufpassen, im nächsten Moment, nicht wieder auf dem Boden zu landen… „Was für schöne Sterne!“ murmelt er nebenbei noch sehr leis’, ob’s die and’re versteht, weiss er selber nicht wirklich, aber es drückt seine momentanen Empfindungen aus, ein normaler würd’ dies wahrscheinlich eher beschreiben, dass ihm schwindlig sei, doch was ist an dem Spielmann und seiner aktuellen Situation schon normal?! Und ist normal nicht eigentlich ein Begriff, den man besser abschaffen sollte? So zumindest empfindet er das… Nichts und niemand ist normal, erst recht nicht unter dem fahrenden Volk, da ist jeder etwas besond’res und im Ganzen ergibt es denn ebenjenen faszinierenden Charakter.

16.4.10 23:07
 
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