Gauklerspiele
Der Freigeist

Es war nicht der Wahnsinn, der den Spielmann einholt, eher waren es die Relikte seiner Kindheit, die er schon so lang versucht hat zu verdrängen, die nun Stück für Stück wieder ans Tageslicht kommen, doch ob er sich nach dem Fieber daran überhaupt noch erinnern kann? – All das ist doch schon so lang’ her und bringt doch jedes Mal wieder die Trauer mit, über den Verlust der eig’nen Familie, auch wenn er wohl weiss, dass er eine neue gefunden hat, eine Familie, die immer für ihn da sein wird und ihn auch immer wieder auffangen wird… - So wie jetzt! Es gibt einfach Momente, wo Altes dem Neuen weichen muss, der Zukunft, nur um dann auf dem richtigen Weg zu gelangen, der das Richtige sein wird… Meist ist es nur ein kurzer Augenblick, eine einzige Tat, doch all das kann schicksalsweisend sein, so wie’s einst beim Herrn Gaukler war, doch damals hatte noch niemand einen Gedanken daran verschwendet, niemand hat je daran gedacht, dass der wissbegierige, schlaue Schüler der Domschule nie ein Gelehrter oder Ritter wird, sondern weit… weit unter dem Stand, zu dem ihn seine Geburt verpflichtet hatte, absteigen würde… Er ist all dem nie gerecht geworden, ein Verlierer in den Augen anderer, doch in seinen Augen ist er der größte Sieger überhaupt… - Er hat sie intrigen-beschmutzte Welt des Adels hinter sich gelassen und ist in die Welt des richtigen Schmutz eingekehrt, dort wo aber wenigstens die Wesen zueinander noch ehrlich sind, sich versuchen zu helfen…

Auch wenn er wahrscheinlich kaum mehr wissen wird, was gescheh’n ist, wird er Alathes doch trotzdem Dankbar bleiben, in Gedanken daran, dass er durch sie seine Schwester erneut sehen dürft’. – Den Weg durch die Stadt bekommt Ský nicht wirklich mit… Nur die Melodie, die Alathes vor sich hinsummt… Würden’s seine Sinne mitmachen, wär’ er dazu imstande, hätte er sie mit ihrem Instrument begleitet, hätte sogar mit ihr gesungen! Und in den wenigen wachen Momenten, kommt’s ihn wie eine Ewigkeit vor, doch alles in allem… Sein Zeitgefühl ist verloren gegangen… Vielleicht liegt’s noch im Wald oder auch an der Stadtmauer, aber was soll es ihn interessieren, wenn er nicht einmal weiss, wo Links und Rechts ist, wenn er nicht einmal die Kraft aufbringen kann, ohne die Hilfe der Gauklerschwester zu seine Beine zu bewegen… - Erst in dem Zimmer angekommen scheint sich die Wirkung der Bewegung zu zeigen, dann er wirkt für eine kurze Zeit etwas klarer im Kopf, sein Blick wirkt etwas wacher, als er mit Alathes Hilfe auf das Bett gesetzt wird.. Wie er das wohl wieder gut machen kann, dass sie ihr Geld dafür nutzt, ihn eine kurzweilige Unterkunft zu gewähren, nur damit er wieder gesund wird..? Schließlich hätte sie ihn auch sitzen lassen können, hätte ihn sterben lassen können, doch als ob er es spüren würde, merkt er, dass sie ihre ganz eigenen gründe hat, warum sie ihn hilft… Und er hat jetzt auch ebenfalls seine Gründe, ihr auf Ewig dankbar zu sein… Er schaut sie dann, mit schon fast geschlossenen Augen… „Dankeschön…“ wird dann noch gehaucht, dann wirkt es so, als würd’ er einfach umkippen, doch liegt er ja von weichen Federn behütet in dem Bett, sodass er auch weich fällt… - Die Decke liegt lässig am Fußende, verknäult, während er sich einfach zusammenrollt, wie ein Embryo im Mutterleib, so als würde er beschützt werden wollen… Und er merkt es auch nicht, dass er keine Decke hat, schließlich ist’s warm genug in dem Raum, denn -abgesehen von den nassen, eisigen Kleidern – brennt ein Feuerchen im Kamin. – Die Arme schlingt er eng um den ausgemergelten Spielmannsleib, dann schließt er die Augen, ob Alathes überhaupt noch da ist, kann er selber nicht sagen, tatsächlich hatt’ er vergessen, danach zu schauen, weshalb er erschrocken die Äuglein wieder aufreißt, die milchig wirkenden Smaragde schauen sich in dem Raum um, dann entdeckt er die vermeintliche ‚Schwester’..

Seinen Arm und die Hand streckt er aus, wie schon an der Stadtmauer, die Augen schließen sich wieder wie automatisch, fühlt er sich allein durch die Anwesenheit doch sicherer… „Bitte… Bleib’.. bei mir.. Verlass mich nicht wieder…“ – Ob man’s glauben mag oder nicht, beginnt der große, sonst so starke Kerl an zu schluchzen, den Gedanken im Hinterkopf, wie Rhianna ihn schon einmal verließ, dann schläft er jedoch über dem Gedanke ein… - So mag man ihm doch wünschen, wohl zu ruhen, damit er schnell wieder stark und gesund wird und die Wesen dieser Welt mit den sonst so fröhlichen Spielmannsmelodien beglücken kann.

13.5.10 15:59
 
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