Gauklerspiele
Feuertanz

Auch 's Mischblut hatte eine Familie verloren. Nachdem man jahrelang keine gehabt hatte - von der Mutter einmal abgesehen - war man in den Schoß des fahrenden Volkes gelangt und dort aufgenommen worden. Die damalige Gruppe war nicht groß gewesen, dauerhaft waren es vielleicht ein Dutzend Spielleut'.. Doch eben diese Wesen haben die Familie dargestellt, die man immer gesucht und vermisst hatte .. Natürlich liebte man die Mutter und schätzte sie für all das, was sie für sie eingebüßt hatte .. Doch konnt' man eine Person schon als Familie bezeichnen? Was war mit Geschwistern, Onkeln, Tanten und all den and'ren, die diesen Begriff doch erst richtig definierten .. Sie waren dann selbst auserwählt worden - Nachdem man sie mit offenen Armen empfangen hatte. Ein halbes Dutzend Sommer ist dies schon her - Und mittlerweile war man wieder allein. Tod pflasterte den vergang'nen Weg und das eig'ne Zutun daran war so grausam, dass man sich einzig in Verdrängung üben konnt'. Man wollte nicht darüber nachdenken, sich mit der Schuld beschäftigen, denn all dies hätte die Macht, 's Lichtlein zu zerstören. Und diesen Funken Egoismus besaß man dann - Dies würd' man nicht zulassen. Kein Gedanke verschwendete man also mehr an die Geschehnisse in jener Nacht, die verbunden sind mit Tränen und Asche .. Seit dem hatte man sich in Zurückhaltung geübt, was die Gesellschaft der Spielleut' anbelangte, doch langsam und unbewusst kehrte man auf diesen Weg zurück .. Man war ein Gemeinschaftstier, konnt' ohne and're Leute nicht - So sehr man sich auch manchmal in die Einsamkeit flüchtete. Letztlich machte sie das nur unglücklich, was man auch hier in den Fargoth'schen Gefilden schon bemerkt hatte .. Und nun hatte man dort diesen Spielmann ins Bett verfrachtet, krank und hilflos - Und auf sie angewiesen. Suspekt erschien ihr die Situation, fremdartig und doch erfasste sie soetwas wie Zuversicht .. Ja, das war ein Schritt in die richtige Richtung!

's Gauklermädchen gab nichts darauf, dass er sich vielleicht später nicht mehr erinnerte - Was sicher das Beste für's männliche Ego war, interessierte sie nicht. Solange man selbst diese Erinnerung wach halten würd' und sich ja auf diese gewisse Weise zum and'ren hingezogen fühlte - Das konnt' ihr keiner mehr nehmen. Ein Schmunzeln zuckte deshalb um die Mundwinkel.. Hatte er echt die irrsinnige Ansicht, sie ließe ihn nun allein? Niemals .. Kurz zuvor doch hatte man noch geschworen, das Licht für ihn zu finden, den Frühling zu ihm zu bringen und daran hielt man sich auch. Nie mehr würden Versprechen gebrochen werden! Ein leises Schnaufen entfuhr ihr, dann huschten die Äuglein musternd über den Pfeifer - Bevor ein erleichtertes Seufzen ihr Lippenpaar verließ. Das Danke wurd' realisiert und angenommen - Selbst wenn's aus ihrer Sicht doch eine Selbstverständlichkeit war. Schließlich wendet man sich gen Kamin - Selbst erleichtert über die Wärme, die doch bei diesem Mistwetter mehr als willkommen ist. Schnell hat man sich auch des Mantels entledigt, der schlicht nicht mehr nötig ist und so auch etwas trocknen kann .. Man würd' sich früh genug im Freien wiederfinden. Verträumt verschwimmt der Blick, bleibt jedoch noch an den Flammen hängen - Bevor man sich abwendet und gerad' noch die letzten Worte vernimmt. "Ich versprech's Dir..", wispert man leis' hinüber zum Bett - Und das Lächeln mag nicht weichen.

Es ist kein erbärmlicher Eindruck, den er hinterlässt - Sondern schlichtweg der eines Kranken, der sich endlich seinem Schicksal fügt. Das war nur vernünftig und nötig, denn nun würd' man sich um ihn kümmern. Ohne zu zögern bewegt man sich alos leis' zum Bett und richtet die Decke - Nicht aber, ohne ihn vorher kurzerhand vom nassen Umhang befreit zu haben. Mehr Blöße konnt' und wollt' ma ihm - und sich - nicht geben, doch mit der trock'nen Decke und dem Kaminfeuer wird's schon gehen. Mit aller Fürsorge deckt man ihn sodann also zu, bevor sie die Schritte hinaus aus dem Zimmer tragen - So lautlos wie nur möglich, immer darauf bedacht, ihn nicht zu wecken. Zurückgekehrt wird mit einem Krug Wasser und einem Lappen - die georderte Suppe bräuchte er erst, wenn er wieder wach wär'. Ein prüfender Blick zum Feuer, dann tragen die Füße 's Mischblut auf's Neue zum Bett, damit man sich auf der Kante niederlassen konnt'. Immer noch ist sie darauf bedacht, ihn nicht zu wecken, und doch wird nun der Lappen in das Nass getaucht und schließlich sein Gesicht vorsichtig gesäubert. Die Prozedur zwei, drei Mal wiederholend, landet der Stoff schließlich auf seiner fieberheißen Stirn und mit einem zufried'nen Nicken beruhigt man sich - Mehr konnt' nicht getan werden. Nun musst' sie warten, dass er aufwachte .. Und bis dahin schenkte man seiner Aufmerksamkeit dem Beutel mit den Instrumente - Jedoch nur aus der Ferne, denn sein Eigentum würd' sie nicht anfassen. Zumal sie versprochen hatte, nicht von seiner Seite zu weichen - Und eben dort blieb sie.

13.5.10 16:45
 
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