Gauklerspiele
Der Freigeist

Es war wohl der Schlaf der Gerechten, der ihn nun übermannt… Oder eher der gerecht verdiente Schlaf, der den Spielmann nun einholt? – Er braucht den Schlaf, dringend sogar, wenn er wieder gesund werden will und nicht noch kränker, wenn er nicht gar bei diesem Wetter da draußen umkommen mag. Doch er hat das nicht vor, er ist stark und genau diese Stärke wird er nun zeigen müssen, wenn es darum geht, das Fieber zu besiegen, die Krankheit zu überwinden.

Fiebernass ist sein gesamter Körper, verschwitzt und trotzdem zittert er wie Espenlaub, da hilft auch die wärmende Decke, die Alathes ihm übergelegt hat, nicht mehr. Dazu durchgefroren sind die Glieder, bis ins Herzen ist die Kälte vorgedrungen… - Die Atmung ist flach und schnell, die Augenlider zucken leicht, der Spielmannskörper wirft sich im Bette herum, zu erschöpft und kann trotzdem keine Ruhe geben, denn üble Träume quälen ihn nun, da er gezwungen wurd’, Ruhe zu finden. – Doch sind es keine Alpträume, so sind es all’ jene, schicksalhaften Momente, die sich im inn’ren Auge immer wieder spiegeln, all jene Momente, die er seit Jahr und Tag versucht hat zu verdrängen. So ist’s die schandhafte Vertreibung aus der Domschule, die Heimkehr, um festzustellen, dass sie Mutter sich ganz dem bösen Geist des Alkohols hingegeben hat, die kleinen Geschwister verwahrlost in den betten lagen und der Vater auf und davon war; Im Kerker, wie er aber erst später feststellen sollte, denn jener war es, der die Familie ins Unglück zog. – Wie lang’ er schläft, dass kann er selber nicht sagen, doch es wird lang’ sein, denn selten findet er eine solchen ruhigen und warmen Platz zum Übernachten.

Ein dunkler Schatten liegt über den Augen, die Sky fest zusammenpresst, die Lippen leicht öffnet, ein leises Stöhnen entweicht ihnen. Fast als sei er nicht mehr ganz bei Sinnen wirft er für einige Sekunden seinen Kopf umher, sein Kopf wirkt dabei leicht gerötet, das Tuch, dass Alathes ihm zuvor so sanft auf dem Kopf drapiert hatte, fällt dabei zur Seite weg, bleibt einfach neben ihm liegen. – In seinem Kopf blitzt der silberne Dolch wieder auf, der im Herzen eines leblosen Körpers steckt, rings herum eine Blutlache, schon halb eingetrocknet. Zu oft hat er das schon geträumt, zu oft ist er danach verschwitzt und tränenüberströmt erwacht, so beginnen auch diesmal unter den geschloss’nen Augenlidern die Tränen hervorzuquellen. Der Körper Skýs rollt sich enger zusammen, fast wie ein Embryo, schutzsuchend, den er damals nicht gefunden hat. Doch er merkt von all dem nichts, denn er sieht sich selber, wie er zusammensinkt in dem Elixier des Lebens… neben der Leiche seiner Schwester, seiner Seelenverwandten.

Ein erschrockener Schrei dringt über die Lippen, der Körper richtet sich ruckartig auf, die Augen werden geöffnet, dann schaut er sich panisch um, die Tränen rinnen über’s Gesicht, er schluchzt leis’, doch ihm überkommt ein Schwindel und Übelkeitsgefühl, weshalb er schnell wieder auf dem Bett nach hinten sinkt, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und die Augen wieder schließt. „Sie ist weg…“ murmelt er dabei leicht schluchzend, doch bemüht er sich um Beherrschung. – Erst wenige Minuten später öffnet er sie wieder, er scheint sich etwas gefangen zu haben, doch überkommt ihn die Panik, denn er kann sich nicht erinnern, was geschehen ist und wie er hierher gekommen ist. Die Stirn hat er in Falten gelegt, erst dann bemerkt er Alathes und schaut sie, leicht verwirrt, aber irgendwie auch etwas erleichtert an. – Er kann sich an sie erinnern, zumindest an den gemeinsamen Auftritt mit der Luchsdame auf dem alten Marktplatz und doch… Hat sie ihn etwa hierher gebracht..? Er beeilt sich, die letzten Tränen wegzuwischen, dann schaut er sie an… „Guten…“ Tag, wollte er eigentlich sagen, doch versagt seine Stimme, dazu… Ist überhaupt Tag? Oder Nacht? Welche Tageszeit ist eigentlich? Völlig orientierungslos schaut er sich im Raum um… „Was..“ beginnt er erneut, doch wieder versagt die Stimme, dann wird er von einem Hustenanfall erschüttert. Schmerzverzerrt wirkt das Gesicht, aber wenigstens die kalten Lappen scheinen geholfen zu haben. Er wirkt wesentlich klarer im Kopf… Ein kurzer Blick zu Alathes hinüber, sie entschuldigend anschauend.

28.6.10 00:28
 
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